Mittwoch, 11. April 2012

Maceration, Bâtonnage.. - Aja klar!

Heute durfte ich bei Clairault mal wieder in der winery reinschnuppern und mitarbeiten. Meine erste Aufgabe war maceration (Zu deutsch Mazeration). Die Mazeration gibt dem Rotwein vier charakteristische Eigenschaften: Farbe, Tannine, Extrationskomponenten (Körper) und Aromen.

Das war der Schlaumeierteil. In den metallenen Gärbottichen, die man Links unten auf dem Bild mit der Presse sehen kann, sind die zerquetschten Rotweintrauben. Zweimal am Tag wird, unten an den Bottichen, ein laaaaanger Schlauch angeschlossen. Mit dem wird der Most von unten hochgepumpt und über die Trauben an der Oberfäche zurückgespritzt. Damit bleiben die Trauben an der Oberfläche feucht und sie werden etwas durchgemischt. Die Trauben sind für ca. zwei Wochen in den Bottichen.
Danach haben wir eine Probe genommen, Temperatur sowie Zuckergehalt gemessen, Most gekostet und alles in eine Tabelle eingetragen. Insgesamt waren es vier Bottiche (E/F Cabernet Sauvignon und A/B Petit Verdot) und beim letzten war ich schon ein alter “umpump”-Hase und durfte alles ganz alleine machen. Boooooah! Der Petit Verdot Most hat im Vergleich zum Cabernet Sauvignon ziemlich süß geschmeckt, was mich verwundert hat. Jawohl!
Das ganze haben wir im Warenlager wiederholt. Allerdings lagerte der Most dort in stehenden Weinfässern (ein Experiment, wie sich Farbe, Tannine und Geschmack darin entwickeln) und musste mit der Hand kräftig durchgerührt werden. Mein Arm war danach pink! Leider kann ich euch davon keine Bilder zeigen, da ich die vorsichtshalber mit dem handlichen Mobilephone gemacht habe, was mir heute abhanden gekommen ist. :(

Nach der Mazeration, haben wir den Cabernet Sauvignon aus dem Bottich D abgelassen und den Saft aus den zurückbleibenden Kernen, Schalen und Stilen gepresst. Ich durfte Knöpfe an der Presse drücken! Für Breac und Brett war ich vermutlich wie ein herumtollendes Kind mit Fotoapperat. Glaube auf meinem Weingut bin ich schon berüchtigt. Egal was man mir für eine Aufgabe gibt, meine Augen fangen an zu leuchten und ich gehe das ganze total euphorisch an.
Connor (einer der Söhne des Besitzers) dachte vermutlich im Stillen, dass ich komplett wahnsinnig bin, als ich begeistert erzählte, dass ich die Presse von Innen reinigen durfte. “Was diese Aufgabe haben sie dir gegeben? Oh dear, das ist ja grauenhaft und dann noch Rotwein!”
Jawohl, nach dem die Jungs mit einem Gerät den Giftpegel in der Presse gemessen haben, bin ich von unten durch die kleine Luke hinein geklettert. Bewaffnet mit Stabtaschenlampe und Hochdruckreiniger kam ich mir vor wie ein Höhlenforscher. Dabei hatte ich mehr Spaß, als sich irgendwer vorstellen kann. So nass und dreckig wie Brett meinte das ich werden könnte, war ich gar nicht. Ja und wer kann schon von sich behaupten, eine Weinpresse von innen gesehen zu haben?
Eine andere Aufgabe an diesem Tag, noch bevor ich in die Weinpresse geklettert bin, war Bâtonnage (englisch auch “lees stirring” oder für normal sterbliche wie mich: Hefesatz aufrühren!) des Chardonnays und des Sauvignon Blanc. Der Weißwein lagert für Monate in französischen Eichenfässern und einmal die Woche wird der schwebende Hefesatz, welcher nach unten sinkt, aufgerührt. Bâtonnage gibt dem Weißwein kurz und simpel umschrieben: mehr Körper, Cremigkeit, Farbe und Lagerfähigkeit. Liest noch wer mit?
Das waren ziemlich viele Fässer! Dafür hatte ich ein Werkzeug aus Edelstahl das wie eine Halbmondsichel aussah. Oben dran ein Griff zum drehen und unten eine Kette. Ahh vielleicht lade ich einfach das Video bei YouTube hoch. Ich habe versucht den Namen von diesem Teil heraus zu finden, aber mein Cellar Door Manager meinte ein einfacher Stock (weiß nur nicht obs Stahl sein sollte) würds auch tun und eine Menge Geld sparen. Da der Mann Ahnung hat, würde ich auf meinem Weingut einen günstigeren “Rührlöffel” vorziehen.
Das waren die neuesten Spielplatzgeschichten.