Montag, 17. Juni 2013

Heeey ab in den Norden, der Sonne hinterher..



Margaret River – Lancelin 395km
Lancelin – Dongara 238km
Dongara – Kalbarri 231km
Kalbarri – Denham 375km
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Zwischenbilanz 1239km





Da sitze ich nun.
1009 Km von Margaret River entfernt, schlürfe Kaffee und blicke über die wunderschöne Bucht von Denham. So heißt der Ort vor Monkey Mia, das auf dem Weg hoch in den Norden die Touristen mit Delfinen lockt.
Jeden Tag werden sie früh morgens gefüttert und die Touris dürfen abwechselnd ins Wasser steigen und sie streicheln. Ich würde gerne ein paar schöne Bilder machen.
Morgens ist es so kalt, dass ich meist schon um fünf Uhr aus dem Zelt schlüpfe, um die Wärmflasche erneut zu füllen. Sollte also kein Problem sein bis acht Uhr geduscht, Tee getrunken, mein Zelt abgebaut und verstaut zu haben.
Morgiger Programmpunkt: Delfin Tourist! (oder auch nicht)


Heute ist es bewölkt, was keinesfalls die Schönheit der Aussicht schmälert. Wäre es hier nicht so kalt,
würde ich schnorcheln gehen. Hier ist das Wasser schön klar, seicht und überall Riffe.
Später werde ich die Küste entlangwandern und noch mehr Muscheln sammeln. Vielleicht sollte ich noch eine Kiste Klamotten heim schicken, damit ich die Tonnen von Sand und Muscheln heimbringen kann.

Gestern war ich am Shell Beach.
Das ist ein irre langer Strand voll mit Muscheln. Dort kann man tief graben und trotzdem nur Muscheln in den Händen halten. Es sind keine großen, sondern viele kleine. In der Größe unserer kleinen Hausschnecken.
Viele Besucher werden dort kreativ, indem sie mit den helleren Muscheln, meist Schriftzüge, auf die dunkleren Bereiche streuen. 
Das habe ich natürlich auch gemacht!


Was ich bisher auf dem Roadtrip erlebt habe, war nicht sonderlich spanned. Die einzigen kuriosen Momente waren einmal ein Jogger der, als ich ihn überholte, aussah als würde er mit einer olympischen Fackel unterwegs sein. Mitten im Nirgendwo. Das andere mal, ein unglaublich langsames, blickendes auf mich zurollendes Wohnmobil. Wo mir der Mann im Rennradler-Outfit, auf einem riesigen Einrad, erst auffiel als ich schon fast vorbei war.


Auf dem Weg nach Kalbarri wo ich das erste mal Zelten wollte, überquerte ein Ameisenigel gemächlich die Straße. Ich hielt an, um ein Bild von ihm zu machen. Er legte sich mitten auf die Straße und rührte sich nicht mehr. All meine Bemühungen ihn von der Straße hinunter zu bekommen, schlugen fehl. Also blieb mir nichts anders übrig, als weiter zu fahren. In der Hoffnung, niemand anderes fährt vorbei und macht ihn platt. Ich glaube er hat es überlebt, in den zwei Stunden die ich auf der Straße unterwegs war, kamen mir nur dreimal Autos entgegen. 


Ansonsten hätte ich kurz nach Kalbarri fast einen Ziegenbock gerammt, er meinte wohl es sei todsicher fünf Meter vor meinem Auto über die Straße zu springen. Mein Auto überstand das nur, da wir den Spazierfahrgang drinnen hatten und die Aussicht genossen.




Freitag, 14. Juni 2013

Wo ist eigentlich ..

Vermutlich haben sich das, die ein oder anderen (nicht dem Facebook verfallenen), da draußen gefragt. 
Ich war im Sumpf des Alltags gefangen. Und das mitten zwischen den traumhaften Stränden von Australien. Kaum zu glauben? War aber so!


Ein Jahr und sieben Monate nannte ich Margaret River meine Heimat. Es hatte mich, wie so viele andere vor mir, in seinen Bann gezogen.
Was ist passiert im letzten Jahr?

Wie sich der ein oder andere erinnern kann:
In Clairault, begann mit dem Verkauf von Wein, der Weinwahn.

Neben dem studieren von Weinbüchern, belegte ich auch einen Kurs am Campus von Margaret River. Abends wurden dort die „basics“ des Weinmachen's erläutert und wir haben viele Weine probiert, beschrieben und benotet. Natürlich war es nicht genug aus Büchern zu lernen, ich bin ein praktisch veranlagter Mensch und so probierte ich alles aus. 

Weintrauben pflücken (Sklavenarbeit!), Arbeit im Weinberg (Pflanzen von jungen Weinreben, etc.) und sogar an der bottleline habe gearbeitet.
Mein größter Wunsch war es „vintage“ zu machen, um die Bereiche rund ums Weinmachen zu komplimentieren. 

Vintage ist crazy! Vintage ist, während der Ernte im Weinkeller zu arbeiten (crazy). Hier werden die gepflückten Trauben rund um die Uhr geliefert und verarbeitet. Als außenstehender kann man sich nicht vorstellen, was alles mit dem Wein passiert, bevor er in der Flasche landet. Menschen die vintage arbeiten sind alle ein bisschen verrückt. Ich glaube das muss man sein, sonst hält man es nicht durch. In dem Weingut eines Bekannten gibt es die Regel, dass man sich während der vintage nicht rasieren darf. Verrückt! Gut das mir keiner wächst! Ob's dem Glück wirklich auf die Sprünge hilft, sei ebenfalls dahin gestellt. 

Zurück zu meinem Traum im Weinkeller (da fängt es schon an, es ist gar kein Keller!) zu arbeiten. Es ist gar nicht so leicht, ohne Erfahrungen, einen Job zu bekommen. Ich hatte ein bisschen Glück und Vitamin B, durch meinen Job bei dem Weingut Vasse Felix, was das älteste in unserer Region ist.
VINTAGE, also ja ich bin froh das ich nun hier liege und sagen kann es ist vorbei. Was für eine verrückte Zeit. Freunde rieten mir essen vor zu kochen und zu gefrieren. Ich tat das als winemakerhype (Die spinnen die winemaker) ab.. Mein Fehler! 

Für ca. 3 Monate war ich praktisch aus dem Verkehr gezogen, 5 waren es insgesamt.
Meine meist 12 Stunden täglich, waren sechs Tage die Woche. Ich bin Abends oder Morgens, je nach Schicht, todmüde ins Bett gefallen. Habe die Nacht durch, von Pumpen und Tanks, geträumt.
Ich glaub mir hat der Lärm fast mehr zu schaffen gemacht, als die harte körperliche Arbeit. Crusher, Pumpen (meist 6-7 um einen herum) und die Pressen. 
Den ganzen Tag über, habe ich unzählige von 6 bis zu 20 Meter langen Schläuche, durch die nicht gerade kleine winery gezogen. Eimerweise schleppte ich Säuren, Tannine und anderen Zusätze (die ihr gar nicht wissen wollt), die Treppen hinauf, um sie oben in die Tanks zu kippen. Die ersten Wochen bin ich vermutlich, alle 10 Minuten ein Minimum von 40 Treppenstufe hinauf und hinunter gestiegen.. so ging das von Februar bis Anfang Juni. 

Wie auch immer: I made it!
Ich habe mir einen weiteren Traum erfüllt! Jetzt mache ich Urlaub und jage den nächsten. Ya-Ha!

Freitag, 3. August 2012

Margaret River - Viel Sand und Strand


Prevelly Hausstrand

Ich erinnere mich gern an die Monate zurück, die ich im Prevelly Caravan Park gelebt habe. Nachts wenn ich in meinem Bett lag und es still wurde, konnte ich das Meer rauschen hören. Das Leben in Prevelly ist wie eine Wellnesskur für die Seele. Das Meer ist einen kurzen Spaziergang entfernt. Doch wenn man mal länger laufen möchte, sollte man das Wasser nicht vergessen.

Injidup
Margaret River's Strände sind endlos. Du kannst irgendwo loslaufen und schwups sind ein paar Stunden vergangen. Du entdeckst kilometerlange Strände, findest Muscheln und einsame Flipflops, beobachtest Surfer oder riesige Rochen. Irgendwann wird dir klar: Du hast Durst! Dann langsam dämmert es dir, du musst die 3h, die du verträumt am Strand entlang gelaufen bist, wieder zurück gehen.
 



Bunker Bay
Manchmal fragen mich die Gäste die zum Wein probieren kommen, welcher der vielen Strände mein liebster ist. Ich zücke eine unserer Margaret River Touristen Maps und einen hellgrünen Neonmarker. Meistens beginne ich damit Hamelin Bay mit dem Marker entlang zu fahren, doch dann fällt mir Bunker Bay im Norden ein, Injidub in der Nähe von Yallingup ist auch toll. Achja nicht zu vergessen natürlich Redgate oder Moses Rock. So geht das eine Weile, bis ich auf die Karte nieder blicke und feststelle, die komplette Küste ist nun hellgrün.


Sugarloaf Rock
Redgate



Sonntag, 15. Juli 2012

Winter in Margaret River – Willkommen im Regenbogenland


So endlich einen Schreibtisch und einen ruhigen Ort zum arbeiten gefunden. 
Das bloggen kann wieder losgehen!

Der Winter in Margaret River ist die meiste Zeit kalt und regnerisch. Hin und wieder haben wir hier kleinere Stürme. Höchste Zeit aufzubrechen gen Norden!? Nicht für mich.
Noch nie war diese Gegend so ruhig und vor allem so grün. Überall sprießen kleine Blümchen aus dem Boden. Zwischen den Weinreben ist es nicht erdig und vertrocknet, dort tummeln sich Schafe, um dem vielen Gras Herr zu werden.


Am Rivermouth Beach ist der Margaret River gebrochen, das heißt der Fluss fließt nun ins Meer. Hier schön zu sehen. Oben ein Bild im 
Sommer und darunter kann man sehen wie es nun im Winter hier aussieht. Angeblich ein Paradies für Fischer. Zumindest haben die Fischer die ich hier kenne, die ganze Zeit darauf gewartet das der Fluss soviel Wasser führt, dass er ins Meer bricht.

Das Wetter erinnert mich an deutsches Aprilwetter. Es kann morgens stürmen, wenn man das Haus verlässt. Drei Minuten später gibt es Sonnenschein. Auf den Feldern sieht man nun all die Tiere die sich im Sommer im Schatten versteckt haben. Kühe, Schafe und Pferde. Ja und für alle Weinfans ist hier nun die große Rotweinzeit angebrochen. Im Sommer oft zu heiß, finden die roten Tropfen viele viele Käufer im Winter. Was gibt es schöneres als ein Kaminfeuer, Rotwein und Käse oder ein Besuch im etwas schrulligen, aber wirklich guten Restaurant Arc of Iris, wo man seinen eigenen Wein mitbringt. Das ist nach einem langen Arbeitstag das allerbeste. Leider sind genau diese Dinge hier sehr teuer, nun es ist halt was besonderes!
Diese Gegend fasziniert mich inzwischen noch mehr. Ich liebe die Wintermonate hier!
Noch nie in meinem Leben habe ich so irre schöne (und so oft) Regenbogen gesehen, doppelt und dreifach. Jeden Tag kann man sie finden und in Farben die ich sonst nicht wirklich in einem Regenbogen vermute. Doof nur das ich NIE die gute Kamera dabei habe, wenn ich einen sehe. Meist ist es auf dem Weg heim nach der Arbeit. Hier habe ich ein Bild mit dem Ipod geschossen das leider nicht wirklich die Schönheit dieses Regenbogens wieder gibt. Egal, der Winter hält hier noch etwas an. Der kälteste Monat (August) naht und ab heute wird die Kamera mit in die Arbeit kutschiert!
Einen lieben Gruß aus Margaret River an alle Leser!

Montag, 21. Mai 2012

Bali - Insel der Farben, Tempel und Hähne



Es ist 4:37 Uhr morgens in Ubud/Bali. Ein Straßenhund in der Nähe fängt das kläffen an. Ich wache auf und höre das Stimmengewirr. Es ist der morgen nach dem Besuch im Tempel und im ersten Moment hört es sich so an, als wäre nicht weit von meinem Zimmer ein riesiges Fest. Müde wie ich bin fällt es mir schwer mich zu konzentrieren. Ist das ein lachen? Mal kommt es von weit weg und dann ist es wieder näher. Ich richte mich auf und lausche in die Nacht hinein. Die Geräuschkulisse ist wie ein Meer das von einem Ende zum anderen der Stadt schwappt. Der Köter beginnt wieder das kläffen und irgendwo knallt der Auspuff eines Mopeds. Mein Kopf fühlt sich an wie gelähmt, doch langsam kommen meine Gedanken in Fahrt. Der Hahn vom Nachbarn schreit: Kikeriki (Wobei es sich mehr nach ÜörüÖeeeee anhört) und das Rätsel löst sich auf. Das ist kein Fest in der Nähe, das sind Ubuds Hähne! Nachts, wenn es in der Stadt ruhig wird und sich der Motorenlärm auf ein Minimum reduziert, ist ihre Zeit. Sie rufen sich zu, was auch immer sie zu sagen haben und das gekrähe zieht sich von einem Part des Ortes zum nächsten und zurück. 

Ich bin mir sicher hier gibt es mehr Hähne als Menschen. Es ist vor allem ein Hobby der jungen Männer, einen Hahn heranzuziehen und zu pflegen. Mich hat es schon mehr als einmal früh erwachen lassen. Wer also in Bali um seinen Schlaf fürchtet sollte nicht in einer Stadt oder in einem Dorf wohnen, denn neben dem Krähen, beginnt mindestens alle 15 Minuten ein Hund zu bellen und alle anderen Straßenköter und Haushunde fallen mit ein.

Es wird noch eine Weile dauern bis es hell wird. Bis die Bewohner ihren Tag beginnen. Blumengestecke präparieren, Geschäfte aufsperren, zu Hause oder vor dem Laden kehren und natürlich beten. 
Bali ist schon ganz speziell und ich bin glücklich es kennengelernt zu haben. Ich liebe das Farbenmeer von Blumen, die man hier überall finden kann. An Statuen, in kleinen aus Palmblättern gebundene Schalen, welche vor den Eingängen von Häusern, Geschäften, auf Autos und an Mopeds, auf Simsen.. Die Besitzerin des Tunjung Bungalows, verteilt täglich 65 gebunden Palmblätter mit Blumen und 111 kleine quadratische Palmblätter mit Reis in und um ihr Haus.

Viele Frauen und Männer tragen traditionelles Gewand. Bei Frauen ist es Kamen (ein Sarong), darüber ein Kebaya (Oberteil) und Anteng (ein meist Schal den man sich über das Kebaya bindet). Man kleidet sie in dieser Reihenfolge an und es ist beim Kebaya wichtig, das er vorne in der Mitte „endet“ bevor man ihn verknotet.
Gestern war eine Zeremonie im Tempel und die darf man sich als Tourist ansehen, wenn man einen Sarong trägt, sowie angemessene Oberbekleidung (Shirt mit Ärmeln ist in Ordnung). Die Balineser haben eine Reihe von interessanten Instrumenten. Die meisten davon werden mit einem Hammer gespielt, was diesen blechernen Ton ausmacht.

In Bali kann man sich stundenlang über Tempelanlagen und Riten belehren lassen. Sowie ich das vor zwei Tagen erlebte, als mir ein junger Mann „seinen“ Tempel und das geheiligte Wasser in allen Einzelheiten vorstellte. Die Blume hinterm Ohr ist hier vermutlich nur in seltenen Fällen Schmuck, normalerweise wird sie beim Gebet genutzt und soll danach Kraft und Energie geben.
Über Balis Natur zu schreiben, würde vermutlich meinen Blog sprengen, also werde einfach ein paar Bilder sprechen lassen.
Vielen Dank fürs lesen. Ich versuche jetzt nochmal etwas zu schlafen, bevor der Motorenlärm komplett zum Leben erwacht.




Sonntag, 6. Mai 2012

Ross River Fever – die Schattenseiten Australiens


Ich lebe nun seit über zwei Monaten mit dem Ross River Virus. Dieser Beitrag ist vor allem für Betroffene, die Antworten suchen. Das Ross River Fever ist in Deutschland so gut wie unbekannt, doch erkranken in Australien jährlich um die 5000 Menschen. Vor allem Reisende oder Einwanderer, die nicht Immun gegen diesen Virus sind.

Es begann alles mit einem harmlosen ziepen im Knie. Ich dachte ja ich hätte einen falschen Schritt beim Klettern Tags zuvor gemacht. Mit der Zeit wurde es ziemlich schmerzhaft. Nicht nur das Knie tat weh. Meine Fußsohlen waren geschwollen und schmerzten bei jedem Schritt. 
Als dann drei Wochen später eines meiner Knie steif wurde, bin ich doch mal zum Arzt gegangen. Nach einer Woche warten hatte ich das Resultat des Blutbildes: Ross River Fever (oder auch Ross River Virus)

Wissenswertes über Ross River Fever
Zum ersten mal aufgetreten ist der Virus in Queensland / Townsville, wo er nach dem dortigen Fluss, dem Ross River benannt wurde. Dieser Abrovirus (Virus der durch Gliederfüßer übertragen wird) gelangt durch einen Mückenbiss in den Blutkreislauf. Verstärktes Risiko galt bisher immer in Queensland und im Norden. Inzwischen hat sich aber der Virus in ganz Australien ausgebreitet. Es gibt einige Fälle in der Gegend von Busselton und mich hat es in Margaret River erwischt.

Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 9 Tage (manche Quellen berichten von einer Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen).
Die Symptome: Plötzlich auftretende Gelenkschmerzen und -versteifungen (vor allem Nachts und Morgens), es kommt zu Schwellungen, Entzündungen, Rötungen und Erwärmung dieser. Weitere mögliche Symptome sind Müdigkeit, leichter Temperaturanstieg, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit.
Ich hatte Glück und habe nur Schmerzen, geschwollene und manchmal steife Gelenke.

Die Erkrankung ist selbstlimitierend, es gibt aber viele Fälle in denen die Symptome mehrere Monate oder gar Jahre auftreten bzw wiederkehren können.

Was kann man dagegen tun?
Nun kommen wir zum demotivierenden Teil dieses Krankheitsbildes. Doch zuvor kurz meine Erfahrungen mit der australischen Schulmedizin. Mein Arztbesuch lief folgendermaßen ab:
Ich bekam ein sogenanntes fact sheet ausgehändigt und ein Rezept mit dem ich mir 3x Schmerztabletten aus der Apotheke abholen konnte. Im Merkblatt steht was Ross River Fever ist, welche Symptome auftreten, wie sich der Virus verbreitet, etc.
Der deprimierende Part war:
How is it treated?
There is no specific treatment for Ross River virus infection.
Zu deutsch: Was kann man dagegen tun? - Nichts!

Das Wochenende danach war eines der schlimmsten überhaupt. Ich hatte zwei steife Knie, zwei steife Arme und steife Finger. Die kleinste Bewegung war extrem schmerzhaft und ich war richtig depressiv, da ich nicht wusste wie ich mit so einer Krankheit in Australien Geld verdienen und über die Runden kommen sollte.

Also habe ich mich auf die Suche im Internet gemacht. Das ist ehrlich gesagt nicht wirklich fördernd fürs Gemüt. In Deutschland ist dieser Virus weitestgehend unbekannt und so versuchte ich mein Glück mit englischsprachigen Seiten. Ich hatte Glück das “B.” von kimberleyaustralia.com einen guten und ausführlichen Beitrag auf ihrer Webseite ( http://www.kimberleyaustralia.com/ross-river-virus.html ) geschrieben hat.

Durch sie habe ich erfahren, dass das wichtigste ist das Immunsystem zu unterstützen, sich nicht zu überanstrengen und das ich Vitamin C zu mir nehmen soll.


Vorher
Ich habe also angefangen täglich Vitamin C, Fischöl und Magnesium zu
mir zu nehmen. In der ersten Zeit, als es wirklich schlimm war, habe ich drei mal täglich Diclofenac genommen (war das einzige was mir schulmedizinisch geholfen hat), dass hilft gegen Entzündungen und Schmerz. Als es besser wurde habe ich die Dosis verringert. Inzwischen nehme ich nur noch selten eine am Morgen.
Gesund Leben heißt gesund ernähren, aus dem Grund habe ich meine Ernährung komplett umgestellt. Im Internet fand ich diese Seite zentrum-der-gesundheit.de, dort habe ich mir Hilfe und Tips zur Umstellung geholt. Basische Ernährung stand nun an. Es ist mir wirklich leicht gefallen Alkohol, Kaffee, Zucker, Milch- und Mehlprodukte, sowie zu fettige Lebensmittel von meinem Speiseplan zu streichen, da ich jeden
Morgen unter steifen und schmerzenden Gliedern gelitten habe.


Nachher
Derzeit versuche ich so gesund wie möglich zu leben. Es wird besser und die Schmerzen haben stark abgenommen. Ich ernähre mich zu 70-80% basisch. Hin und wieder genehmige ich mir einen Kaffee oder ein Bier oder ein ganz normales Essen im Restaurant.
Vor zwei Wochen habe ich das allerdings ziemlich schleifen lassen, vier Kaffee und zwei Bier getrunken, viel Schokolade gegessen, das Resultat war am Wochenende wieder schmerzende Glieder und ein leicht steifes Knie.

Ich wünsche jedem Leser dort draußen, der Antworten gegen sein Leiden sucht, das allerbeste und viel Kraft gegen diesen Virus anzukommen. Vielleicht hilft es euch, wie mir was mir “B” auf meine Email geantwortet hat:
“This is a virus that forces you to live very, very healthy for a long time.“
Heute sehe ich das Ross River Fever als Chance so gesund und bewusst wie möglich zu leben.


Mein großes Glück war viele unglaublich liebe und tolle Menschen um mich zu haben, die mich aufgefangen haben und für mich da waren. Hier auch ein großes Danke an „B“ von kimberleyaustralia.com für den einzig nützlichen Beitrag im Internet. Ich vermute deine Seite hilft vielen verzweifelten Menschen. Die wichtigsten zum Schluss: Meine Mama und der Sepp die immer über Skype für mich da sind – Ich liebe euch!


Mittwoch, 11. April 2012

Maceration, Bâtonnage.. - Aja klar!

Heute durfte ich bei Clairault mal wieder in der winery reinschnuppern und mitarbeiten. Meine erste Aufgabe war maceration (Zu deutsch Mazeration). Die Mazeration gibt dem Rotwein vier charakteristische Eigenschaften: Farbe, Tannine, Extrationskomponenten (Körper) und Aromen.

Das war der Schlaumeierteil. In den metallenen Gärbottichen, die man Links unten auf dem Bild mit der Presse sehen kann, sind die zerquetschten Rotweintrauben. Zweimal am Tag wird, unten an den Bottichen, ein laaaaanger Schlauch angeschlossen. Mit dem wird der Most von unten hochgepumpt und über die Trauben an der Oberfäche zurückgespritzt. Damit bleiben die Trauben an der Oberfläche feucht und sie werden etwas durchgemischt. Die Trauben sind für ca. zwei Wochen in den Bottichen.
Danach haben wir eine Probe genommen, Temperatur sowie Zuckergehalt gemessen, Most gekostet und alles in eine Tabelle eingetragen. Insgesamt waren es vier Bottiche (E/F Cabernet Sauvignon und A/B Petit Verdot) und beim letzten war ich schon ein alter “umpump”-Hase und durfte alles ganz alleine machen. Boooooah! Der Petit Verdot Most hat im Vergleich zum Cabernet Sauvignon ziemlich süß geschmeckt, was mich verwundert hat. Jawohl!
Das ganze haben wir im Warenlager wiederholt. Allerdings lagerte der Most dort in stehenden Weinfässern (ein Experiment, wie sich Farbe, Tannine und Geschmack darin entwickeln) und musste mit der Hand kräftig durchgerührt werden. Mein Arm war danach pink! Leider kann ich euch davon keine Bilder zeigen, da ich die vorsichtshalber mit dem handlichen Mobilephone gemacht habe, was mir heute abhanden gekommen ist. :(

Nach der Mazeration, haben wir den Cabernet Sauvignon aus dem Bottich D abgelassen und den Saft aus den zurückbleibenden Kernen, Schalen und Stilen gepresst. Ich durfte Knöpfe an der Presse drücken! Für Breac und Brett war ich vermutlich wie ein herumtollendes Kind mit Fotoapperat. Glaube auf meinem Weingut bin ich schon berüchtigt. Egal was man mir für eine Aufgabe gibt, meine Augen fangen an zu leuchten und ich gehe das ganze total euphorisch an.
Connor (einer der Söhne des Besitzers) dachte vermutlich im Stillen, dass ich komplett wahnsinnig bin, als ich begeistert erzählte, dass ich die Presse von Innen reinigen durfte. “Was diese Aufgabe haben sie dir gegeben? Oh dear, das ist ja grauenhaft und dann noch Rotwein!”
Jawohl, nach dem die Jungs mit einem Gerät den Giftpegel in der Presse gemessen haben, bin ich von unten durch die kleine Luke hinein geklettert. Bewaffnet mit Stabtaschenlampe und Hochdruckreiniger kam ich mir vor wie ein Höhlenforscher. Dabei hatte ich mehr Spaß, als sich irgendwer vorstellen kann. So nass und dreckig wie Brett meinte das ich werden könnte, war ich gar nicht. Ja und wer kann schon von sich behaupten, eine Weinpresse von innen gesehen zu haben?
Eine andere Aufgabe an diesem Tag, noch bevor ich in die Weinpresse geklettert bin, war Bâtonnage (englisch auch “lees stirring” oder für normal sterbliche wie mich: Hefesatz aufrühren!) des Chardonnays und des Sauvignon Blanc. Der Weißwein lagert für Monate in französischen Eichenfässern und einmal die Woche wird der schwebende Hefesatz, welcher nach unten sinkt, aufgerührt. Bâtonnage gibt dem Weißwein kurz und simpel umschrieben: mehr Körper, Cremigkeit, Farbe und Lagerfähigkeit. Liest noch wer mit?
Das waren ziemlich viele Fässer! Dafür hatte ich ein Werkzeug aus Edelstahl das wie eine Halbmondsichel aussah. Oben dran ein Griff zum drehen und unten eine Kette. Ahh vielleicht lade ich einfach das Video bei YouTube hoch. Ich habe versucht den Namen von diesem Teil heraus zu finden, aber mein Cellar Door Manager meinte ein einfacher Stock (weiß nur nicht obs Stahl sein sollte) würds auch tun und eine Menge Geld sparen. Da der Mann Ahnung hat, würde ich auf meinem Weingut einen günstigeren “Rührlöffel” vorziehen.
Das waren die neuesten Spielplatzgeschichten.