Freitag, 3. August 2012

Margaret River - Viel Sand und Strand


Prevelly Hausstrand

Ich erinnere mich gern an die Monate zurück, die ich im Prevelly Caravan Park gelebt habe. Nachts wenn ich in meinem Bett lag und es still wurde, konnte ich das Meer rauschen hören. Das Leben in Prevelly ist wie eine Wellnesskur für die Seele. Das Meer ist einen kurzen Spaziergang entfernt. Doch wenn man mal länger laufen möchte, sollte man das Wasser nicht vergessen.

Injidup
Margaret River's Strände sind endlos. Du kannst irgendwo loslaufen und schwups sind ein paar Stunden vergangen. Du entdeckst kilometerlange Strände, findest Muscheln und einsame Flipflops, beobachtest Surfer oder riesige Rochen. Irgendwann wird dir klar: Du hast Durst! Dann langsam dämmert es dir, du musst die 3h, die du verträumt am Strand entlang gelaufen bist, wieder zurück gehen.
 



Bunker Bay
Manchmal fragen mich die Gäste die zum Wein probieren kommen, welcher der vielen Strände mein liebster ist. Ich zücke eine unserer Margaret River Touristen Maps und einen hellgrünen Neonmarker. Meistens beginne ich damit Hamelin Bay mit dem Marker entlang zu fahren, doch dann fällt mir Bunker Bay im Norden ein, Injidub in der Nähe von Yallingup ist auch toll. Achja nicht zu vergessen natürlich Redgate oder Moses Rock. So geht das eine Weile, bis ich auf die Karte nieder blicke und feststelle, die komplette Küste ist nun hellgrün.


Sugarloaf Rock
Redgate



Sonntag, 15. Juli 2012

Winter in Margaret River – Willkommen im Regenbogenland


So endlich einen Schreibtisch und einen ruhigen Ort zum arbeiten gefunden. 
Das bloggen kann wieder losgehen!

Der Winter in Margaret River ist die meiste Zeit kalt und regnerisch. Hin und wieder haben wir hier kleinere Stürme. Höchste Zeit aufzubrechen gen Norden!? Nicht für mich.
Noch nie war diese Gegend so ruhig und vor allem so grün. Überall sprießen kleine Blümchen aus dem Boden. Zwischen den Weinreben ist es nicht erdig und vertrocknet, dort tummeln sich Schafe, um dem vielen Gras Herr zu werden.


Am Rivermouth Beach ist der Margaret River gebrochen, das heißt der Fluss fließt nun ins Meer. Hier schön zu sehen. Oben ein Bild im 
Sommer und darunter kann man sehen wie es nun im Winter hier aussieht. Angeblich ein Paradies für Fischer. Zumindest haben die Fischer die ich hier kenne, die ganze Zeit darauf gewartet das der Fluss soviel Wasser führt, dass er ins Meer bricht.

Das Wetter erinnert mich an deutsches Aprilwetter. Es kann morgens stürmen, wenn man das Haus verlässt. Drei Minuten später gibt es Sonnenschein. Auf den Feldern sieht man nun all die Tiere die sich im Sommer im Schatten versteckt haben. Kühe, Schafe und Pferde. Ja und für alle Weinfans ist hier nun die große Rotweinzeit angebrochen. Im Sommer oft zu heiß, finden die roten Tropfen viele viele Käufer im Winter. Was gibt es schöneres als ein Kaminfeuer, Rotwein und Käse oder ein Besuch im etwas schrulligen, aber wirklich guten Restaurant Arc of Iris, wo man seinen eigenen Wein mitbringt. Das ist nach einem langen Arbeitstag das allerbeste. Leider sind genau diese Dinge hier sehr teuer, nun es ist halt was besonderes!
Diese Gegend fasziniert mich inzwischen noch mehr. Ich liebe die Wintermonate hier!
Noch nie in meinem Leben habe ich so irre schöne (und so oft) Regenbogen gesehen, doppelt und dreifach. Jeden Tag kann man sie finden und in Farben die ich sonst nicht wirklich in einem Regenbogen vermute. Doof nur das ich NIE die gute Kamera dabei habe, wenn ich einen sehe. Meist ist es auf dem Weg heim nach der Arbeit. Hier habe ich ein Bild mit dem Ipod geschossen das leider nicht wirklich die Schönheit dieses Regenbogens wieder gibt. Egal, der Winter hält hier noch etwas an. Der kälteste Monat (August) naht und ab heute wird die Kamera mit in die Arbeit kutschiert!
Einen lieben Gruß aus Margaret River an alle Leser!

Montag, 21. Mai 2012

Bali - Insel der Farben, Tempel und Hähne



Es ist 4:37 Uhr morgens in Ubud/Bali. Ein Straßenhund in der Nähe fängt das kläffen an. Ich wache auf und höre das Stimmengewirr. Es ist der morgen nach dem Besuch im Tempel und im ersten Moment hört es sich so an, als wäre nicht weit von meinem Zimmer ein riesiges Fest. Müde wie ich bin fällt es mir schwer mich zu konzentrieren. Ist das ein lachen? Mal kommt es von weit weg und dann ist es wieder näher. Ich richte mich auf und lausche in die Nacht hinein. Die Geräuschkulisse ist wie ein Meer das von einem Ende zum anderen der Stadt schwappt. Der Köter beginnt wieder das kläffen und irgendwo knallt der Auspuff eines Mopeds. Mein Kopf fühlt sich an wie gelähmt, doch langsam kommen meine Gedanken in Fahrt. Der Hahn vom Nachbarn schreit: Kikeriki (Wobei es sich mehr nach ÜörüÖeeeee anhört) und das Rätsel löst sich auf. Das ist kein Fest in der Nähe, das sind Ubuds Hähne! Nachts, wenn es in der Stadt ruhig wird und sich der Motorenlärm auf ein Minimum reduziert, ist ihre Zeit. Sie rufen sich zu, was auch immer sie zu sagen haben und das gekrähe zieht sich von einem Part des Ortes zum nächsten und zurück. 

Ich bin mir sicher hier gibt es mehr Hähne als Menschen. Es ist vor allem ein Hobby der jungen Männer, einen Hahn heranzuziehen und zu pflegen. Mich hat es schon mehr als einmal früh erwachen lassen. Wer also in Bali um seinen Schlaf fürchtet sollte nicht in einer Stadt oder in einem Dorf wohnen, denn neben dem Krähen, beginnt mindestens alle 15 Minuten ein Hund zu bellen und alle anderen Straßenköter und Haushunde fallen mit ein.

Es wird noch eine Weile dauern bis es hell wird. Bis die Bewohner ihren Tag beginnen. Blumengestecke präparieren, Geschäfte aufsperren, zu Hause oder vor dem Laden kehren und natürlich beten. 
Bali ist schon ganz speziell und ich bin glücklich es kennengelernt zu haben. Ich liebe das Farbenmeer von Blumen, die man hier überall finden kann. An Statuen, in kleinen aus Palmblättern gebundene Schalen, welche vor den Eingängen von Häusern, Geschäften, auf Autos und an Mopeds, auf Simsen.. Die Besitzerin des Tunjung Bungalows, verteilt täglich 65 gebunden Palmblätter mit Blumen und 111 kleine quadratische Palmblätter mit Reis in und um ihr Haus.

Viele Frauen und Männer tragen traditionelles Gewand. Bei Frauen ist es Kamen (ein Sarong), darüber ein Kebaya (Oberteil) und Anteng (ein meist Schal den man sich über das Kebaya bindet). Man kleidet sie in dieser Reihenfolge an und es ist beim Kebaya wichtig, das er vorne in der Mitte „endet“ bevor man ihn verknotet.
Gestern war eine Zeremonie im Tempel und die darf man sich als Tourist ansehen, wenn man einen Sarong trägt, sowie angemessene Oberbekleidung (Shirt mit Ärmeln ist in Ordnung). Die Balineser haben eine Reihe von interessanten Instrumenten. Die meisten davon werden mit einem Hammer gespielt, was diesen blechernen Ton ausmacht.

In Bali kann man sich stundenlang über Tempelanlagen und Riten belehren lassen. Sowie ich das vor zwei Tagen erlebte, als mir ein junger Mann „seinen“ Tempel und das geheiligte Wasser in allen Einzelheiten vorstellte. Die Blume hinterm Ohr ist hier vermutlich nur in seltenen Fällen Schmuck, normalerweise wird sie beim Gebet genutzt und soll danach Kraft und Energie geben.
Über Balis Natur zu schreiben, würde vermutlich meinen Blog sprengen, also werde einfach ein paar Bilder sprechen lassen.
Vielen Dank fürs lesen. Ich versuche jetzt nochmal etwas zu schlafen, bevor der Motorenlärm komplett zum Leben erwacht.




Sonntag, 6. Mai 2012

Ross River Fever – die Schattenseiten Australiens


Ich lebe nun seit über zwei Monaten mit dem Ross River Virus. Dieser Beitrag ist vor allem für Betroffene, die Antworten suchen. Das Ross River Fever ist in Deutschland so gut wie unbekannt, doch erkranken in Australien jährlich um die 5000 Menschen. Vor allem Reisende oder Einwanderer, die nicht Immun gegen diesen Virus sind.

Es begann alles mit einem harmlosen ziepen im Knie. Ich dachte ja ich hätte einen falschen Schritt beim Klettern Tags zuvor gemacht. Mit der Zeit wurde es ziemlich schmerzhaft. Nicht nur das Knie tat weh. Meine Fußsohlen waren geschwollen und schmerzten bei jedem Schritt. 
Als dann drei Wochen später eines meiner Knie steif wurde, bin ich doch mal zum Arzt gegangen. Nach einer Woche warten hatte ich das Resultat des Blutbildes: Ross River Fever (oder auch Ross River Virus)

Wissenswertes über Ross River Fever
Zum ersten mal aufgetreten ist der Virus in Queensland / Townsville, wo er nach dem dortigen Fluss, dem Ross River benannt wurde. Dieser Abrovirus (Virus der durch Gliederfüßer übertragen wird) gelangt durch einen Mückenbiss in den Blutkreislauf. Verstärktes Risiko galt bisher immer in Queensland und im Norden. Inzwischen hat sich aber der Virus in ganz Australien ausgebreitet. Es gibt einige Fälle in der Gegend von Busselton und mich hat es in Margaret River erwischt.

Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 9 Tage (manche Quellen berichten von einer Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen).
Die Symptome: Plötzlich auftretende Gelenkschmerzen und -versteifungen (vor allem Nachts und Morgens), es kommt zu Schwellungen, Entzündungen, Rötungen und Erwärmung dieser. Weitere mögliche Symptome sind Müdigkeit, leichter Temperaturanstieg, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit.
Ich hatte Glück und habe nur Schmerzen, geschwollene und manchmal steife Gelenke.

Die Erkrankung ist selbstlimitierend, es gibt aber viele Fälle in denen die Symptome mehrere Monate oder gar Jahre auftreten bzw wiederkehren können.

Was kann man dagegen tun?
Nun kommen wir zum demotivierenden Teil dieses Krankheitsbildes. Doch zuvor kurz meine Erfahrungen mit der australischen Schulmedizin. Mein Arztbesuch lief folgendermaßen ab:
Ich bekam ein sogenanntes fact sheet ausgehändigt und ein Rezept mit dem ich mir 3x Schmerztabletten aus der Apotheke abholen konnte. Im Merkblatt steht was Ross River Fever ist, welche Symptome auftreten, wie sich der Virus verbreitet, etc.
Der deprimierende Part war:
How is it treated?
There is no specific treatment for Ross River virus infection.
Zu deutsch: Was kann man dagegen tun? - Nichts!

Das Wochenende danach war eines der schlimmsten überhaupt. Ich hatte zwei steife Knie, zwei steife Arme und steife Finger. Die kleinste Bewegung war extrem schmerzhaft und ich war richtig depressiv, da ich nicht wusste wie ich mit so einer Krankheit in Australien Geld verdienen und über die Runden kommen sollte.

Also habe ich mich auf die Suche im Internet gemacht. Das ist ehrlich gesagt nicht wirklich fördernd fürs Gemüt. In Deutschland ist dieser Virus weitestgehend unbekannt und so versuchte ich mein Glück mit englischsprachigen Seiten. Ich hatte Glück das “B.” von kimberleyaustralia.com einen guten und ausführlichen Beitrag auf ihrer Webseite ( http://www.kimberleyaustralia.com/ross-river-virus.html ) geschrieben hat.

Durch sie habe ich erfahren, dass das wichtigste ist das Immunsystem zu unterstützen, sich nicht zu überanstrengen und das ich Vitamin C zu mir nehmen soll.


Vorher
Ich habe also angefangen täglich Vitamin C, Fischöl und Magnesium zu
mir zu nehmen. In der ersten Zeit, als es wirklich schlimm war, habe ich drei mal täglich Diclofenac genommen (war das einzige was mir schulmedizinisch geholfen hat), dass hilft gegen Entzündungen und Schmerz. Als es besser wurde habe ich die Dosis verringert. Inzwischen nehme ich nur noch selten eine am Morgen.
Gesund Leben heißt gesund ernähren, aus dem Grund habe ich meine Ernährung komplett umgestellt. Im Internet fand ich diese Seite zentrum-der-gesundheit.de, dort habe ich mir Hilfe und Tips zur Umstellung geholt. Basische Ernährung stand nun an. Es ist mir wirklich leicht gefallen Alkohol, Kaffee, Zucker, Milch- und Mehlprodukte, sowie zu fettige Lebensmittel von meinem Speiseplan zu streichen, da ich jeden
Morgen unter steifen und schmerzenden Gliedern gelitten habe.


Nachher
Derzeit versuche ich so gesund wie möglich zu leben. Es wird besser und die Schmerzen haben stark abgenommen. Ich ernähre mich zu 70-80% basisch. Hin und wieder genehmige ich mir einen Kaffee oder ein Bier oder ein ganz normales Essen im Restaurant.
Vor zwei Wochen habe ich das allerdings ziemlich schleifen lassen, vier Kaffee und zwei Bier getrunken, viel Schokolade gegessen, das Resultat war am Wochenende wieder schmerzende Glieder und ein leicht steifes Knie.

Ich wünsche jedem Leser dort draußen, der Antworten gegen sein Leiden sucht, das allerbeste und viel Kraft gegen diesen Virus anzukommen. Vielleicht hilft es euch, wie mir was mir “B” auf meine Email geantwortet hat:
“This is a virus that forces you to live very, very healthy for a long time.“
Heute sehe ich das Ross River Fever als Chance so gesund und bewusst wie möglich zu leben.


Mein großes Glück war viele unglaublich liebe und tolle Menschen um mich zu haben, die mich aufgefangen haben und für mich da waren. Hier auch ein großes Danke an „B“ von kimberleyaustralia.com für den einzig nützlichen Beitrag im Internet. Ich vermute deine Seite hilft vielen verzweifelten Menschen. Die wichtigsten zum Schluss: Meine Mama und der Sepp die immer über Skype für mich da sind – Ich liebe euch!


Mittwoch, 11. April 2012

Maceration, Bâtonnage.. - Aja klar!

Heute durfte ich bei Clairault mal wieder in der winery reinschnuppern und mitarbeiten. Meine erste Aufgabe war maceration (Zu deutsch Mazeration). Die Mazeration gibt dem Rotwein vier charakteristische Eigenschaften: Farbe, Tannine, Extrationskomponenten (Körper) und Aromen.

Das war der Schlaumeierteil. In den metallenen Gärbottichen, die man Links unten auf dem Bild mit der Presse sehen kann, sind die zerquetschten Rotweintrauben. Zweimal am Tag wird, unten an den Bottichen, ein laaaaanger Schlauch angeschlossen. Mit dem wird der Most von unten hochgepumpt und über die Trauben an der Oberfäche zurückgespritzt. Damit bleiben die Trauben an der Oberfläche feucht und sie werden etwas durchgemischt. Die Trauben sind für ca. zwei Wochen in den Bottichen.
Danach haben wir eine Probe genommen, Temperatur sowie Zuckergehalt gemessen, Most gekostet und alles in eine Tabelle eingetragen. Insgesamt waren es vier Bottiche (E/F Cabernet Sauvignon und A/B Petit Verdot) und beim letzten war ich schon ein alter “umpump”-Hase und durfte alles ganz alleine machen. Boooooah! Der Petit Verdot Most hat im Vergleich zum Cabernet Sauvignon ziemlich süß geschmeckt, was mich verwundert hat. Jawohl!
Das ganze haben wir im Warenlager wiederholt. Allerdings lagerte der Most dort in stehenden Weinfässern (ein Experiment, wie sich Farbe, Tannine und Geschmack darin entwickeln) und musste mit der Hand kräftig durchgerührt werden. Mein Arm war danach pink! Leider kann ich euch davon keine Bilder zeigen, da ich die vorsichtshalber mit dem handlichen Mobilephone gemacht habe, was mir heute abhanden gekommen ist. :(

Nach der Mazeration, haben wir den Cabernet Sauvignon aus dem Bottich D abgelassen und den Saft aus den zurückbleibenden Kernen, Schalen und Stilen gepresst. Ich durfte Knöpfe an der Presse drücken! Für Breac und Brett war ich vermutlich wie ein herumtollendes Kind mit Fotoapperat. Glaube auf meinem Weingut bin ich schon berüchtigt. Egal was man mir für eine Aufgabe gibt, meine Augen fangen an zu leuchten und ich gehe das ganze total euphorisch an.
Connor (einer der Söhne des Besitzers) dachte vermutlich im Stillen, dass ich komplett wahnsinnig bin, als ich begeistert erzählte, dass ich die Presse von Innen reinigen durfte. “Was diese Aufgabe haben sie dir gegeben? Oh dear, das ist ja grauenhaft und dann noch Rotwein!”
Jawohl, nach dem die Jungs mit einem Gerät den Giftpegel in der Presse gemessen haben, bin ich von unten durch die kleine Luke hinein geklettert. Bewaffnet mit Stabtaschenlampe und Hochdruckreiniger kam ich mir vor wie ein Höhlenforscher. Dabei hatte ich mehr Spaß, als sich irgendwer vorstellen kann. So nass und dreckig wie Brett meinte das ich werden könnte, war ich gar nicht. Ja und wer kann schon von sich behaupten, eine Weinpresse von innen gesehen zu haben?
Eine andere Aufgabe an diesem Tag, noch bevor ich in die Weinpresse geklettert bin, war Bâtonnage (englisch auch “lees stirring” oder für normal sterbliche wie mich: Hefesatz aufrühren!) des Chardonnays und des Sauvignon Blanc. Der Weißwein lagert für Monate in französischen Eichenfässern und einmal die Woche wird der schwebende Hefesatz, welcher nach unten sinkt, aufgerührt. Bâtonnage gibt dem Weißwein kurz und simpel umschrieben: mehr Körper, Cremigkeit, Farbe und Lagerfähigkeit. Liest noch wer mit?
Das waren ziemlich viele Fässer! Dafür hatte ich ein Werkzeug aus Edelstahl das wie eine Halbmondsichel aussah. Oben dran ein Griff zum drehen und unten eine Kette. Ahh vielleicht lade ich einfach das Video bei YouTube hoch. Ich habe versucht den Namen von diesem Teil heraus zu finden, aber mein Cellar Door Manager meinte ein einfacher Stock (weiß nur nicht obs Stahl sein sollte) würds auch tun und eine Menge Geld sparen. Da der Mann Ahnung hat, würde ich auf meinem Weingut einen günstigeren “Rührlöffel” vorziehen.
Das waren die neuesten Spielplatzgeschichten.

Dienstag, 27. März 2012

Fruitpicking – Diesmal wirklich

Da bin ich also aufgestanden, um 4 Uhr, damit ich um 4:20 Uhr bei Vine Power bin. Sie meinten, als “Extra” (so nennen sich die Leute die nicht im Team eingetragen sind und für kranke oder nicht erscheinende Backpacker einspringen) sollte man um diese Zeit da sein. Stefano und Philip waren nicht sonderlich angetan, brauchten aber eine Fahrgelegenheit vom Caravan Park nach Margaret River town.
Dort angekommen war das Office natürlich geschlossen, dafür waren ausser mir noch 6 andere Leute da, welche versuchen wollten als Extra an diesem Tag zu arbeiten. Um 4:45 Uhr kam endlich mal jemand an, der im Office verschwand und um 4:50 Uhr wurde es geöffnet. Nun hieß es anstehen und sich in die Liste eintragen.
Gut das ich ein Auto mit 4 Plätzen habe und gut das ich Erfahrung vom arbeiten bei Clairault habe. 

So hatte ich das Glück einen der Supervisor zu kennen und meinte “Hey Blablubb weißt noch da bei Clairault.. Ach und übrigens einer von meinen Freunden ist krank, kann ich für den einspringen”. 

Zum Bild hier links (Ich hab zuviel zu sagen, als das es in eine Bildunterschrift passt.....)
Security west, safety glasses und snip ist muss. Ich bevorzuge ja meine gute Amani Sonnenbrille und dazu Mamas gute Handschuhe.

So landete mein Name im Team von meinen Freunden. Die verschiedenen Teams werden dann vors Office gerufen. Dort werden die Leute abgezählt, der Supervisor entscheidet ob er “Extras” braucht und es wird sichergestellt, dass jeder einen Platz in einem der Autos hat. Via Kolone geht es dann zum entsprechenden Weingut.




An meinem ersten Tag war es eine riesige Gruppe und an die 20 Autos. War irre die vielen Scheinwerfer im Rückspiegel zu sehen und die vielen roten Rücklichter vor mir. Schade das ich davon kein Bild habe.
Fruitpicking ist ziemlich langweilig. Entweder man hat jemanden mit dem man durchgehend quatscht. Das hatte ich mit Philip an diesem Tag praktiziert oder man hört Musik. 
Wirklich viel bekommt man nicht, wenn man per Bucket bezahlt wird. Die Preise waren stets unter 2$ und ich bin einfach nicht so ein Turbopicker wie manch andere. Selbst die verdienen sich da nicht eine goldene Nase. 




Wie auch immer, ich war schon glücklich, wenn ich das Benzingeld drinnen hatte und vlt noch etwas mehr. Im Grunde ist mir bei dieser Arbeit der gezählte Tag (fürs zweite holiday visa) viel wichtiger, also hab ich mich nicht so gestresst und in der Tat sogar erlaubt zwischendurch Wasser zu trinken. Oo

Montag, 5. März 2012

Mein erstes mal - Fruitpicking


Übrigens:
Diese Überschrift ist eine Lüge
Ja es ist wahr, dass ich morgens um 4 Uhr aufgestanden bin, mit dem Gedanken: “Heute mache ich zum ersten mal einen typischen Backpackerjob! Olee”
(Unter uns; Es ist beängstigend, wie euphorisch ich hier alles angehe...)

 
Um 5:45 Uhr habe ich Brian, den Vinyard Manager am Block L getroffen. Dort wächst unser Chardonnay und mit dem startete dieses Jahr die Ernte. Da es 200km entfernt ein riesiges Buschfeuer gab und der Wind in unsere Richtung wehte, hatte alles nach Rauch gerochen. Auf dem Weg in die Arbeit habe ich kaum etwas gesehen. Brian meinte das er das noch nie vorher erlebt hat. 


Dann sagte er:
„So July you assist me today as a supervisor blablabla.“
Eh what?
Ja haha Julia als supervisor im Block L! 


Der Vormittag ging unerwartet schnell rum. Das wichtigste war auf die bucket`s (Kisten für die Weintrauben) zu achten. Mein Hauptjob war es die Weinreihen für den Traktor vorzubereiten. Sprich die Kisten mussten so stehen das der Traktor mühelos durchfahren kann und die bucketboys die Kisten flott einsammeln können. Ansonsten bin ich die Weinreihen ablaufen und geschaut das alles abgeknipst wurde. Hier und da habe ich dann paar Trauben raus geschnitten, aber die picker waren meist extrem gründlich.


Was nicht verwunderlich ist. Die werden per bucket bezahlt und dafür bekommen sie an die $1,80 – $ 4,50 bezahlt. Meist ist das um die $ 2 rum. Morgen werde ich das am eigenen Leib erleben.
Um 4 Uhr dödel ich nach Margaret River und versuche als „extra“ zu arbeiten. Mehr Geld und ich brauche die 88 Tage fürs zweite Visa.

Was recht cool an dem Tag im Clairault Vinyard war, Brian hat mich mit dem Quad fahren lassen. :D Awesome!
Den nächsten Tag sollte ich wieder arbeiten, aber Fränk (Mein Auto) hat gestreikt. Morgen Nachmittag werde ich Scott anrufen, er kann mir vielleicht etwas Arbeit im Vinyard beschaffen. Hoffen wir mal das beste, denn die nächsten 3 Wochen wird es zu ruhig. 


Das sind die Schattenseiten des Backpacker Dasein. Ständige Geldprobleme und Abschied nehmen. Bin nicht gut im letzterem.

Sonntag, 5. Februar 2012

StarWars Episode 7 - Master of Bottling

Die letzte Woche habe ich zwei Tage im Clairault Warenlager verbracht. In der hintersten Ecke, verborgen durch Weinfässer, habe ich 3 Paletten Wein bearbeitet.
Arbeitsauftrag simpel:
Packe die Flaschen aus den 12er Kartons in die 6er Kartons um.

Ich habe in den vielen Stunden, verschiedene Systeme entwickelt und kann mich nun getrost "Master of Botteling" nennen.

Inzwischen weiß ich das es am schnellsten geht, wenn ich erst alle Kartons mit zwei Aufklebern versehe, bevor ich ca 30 falte.

Nach dem falten werden die Flaschen in die Kartons gestellt, auch hier kann man eine ganze Reihe an verschiedenen Systemen entwickeln. Unglaublich, aber vermutlich zu ermüdend darüber zu schreiben.
Manchmal habe ich den nächsten Schritt vergessen; Den Abstandhalter zwischen die Flaschen zu stecken... ;-(

Das war dann Mühsam die Kartons wieder vorsichtig aufzuschneiden, das Teil reinpacken und wieder zu zukleben.

Es klingt für euch jetzt vielleicht simpel, aber spätestens nach einer Palette, für die man an die 3-4h braucht, weiß man das jeder Arbeitsschritt mehr, viel Energie kostet.



Ich hatte natürlich auch genug Zeit diverse "Rechnungen" durchzuführen. Eine Lage auf der alten Palette hat z.B 16 12er Kartons, sind 192 Flaschen, dass ganze mal 4 Lagen, sind schlappe 768 Flaschen die ich pro Palette umpacke. Spannend oder?
Zum Glück arbeite ich bei Clairault. Brak (ka wie man den wirklich schreibt) meinte ich solle mir genug Musik oder Filme für die Arbeit mitnehmen.




So war das Warenlager von Starwars Filmmusik und Schlachtsound erfüllt. Das hat immer wieder Neugierige Mitarbeiter angelockt. Die sich über den unüblichen Krach hinter den Weinfässern gewundert haben. Ich hatte sogar Besuch von Bill, dem Weingutbesitzer, der lachend abgezogen ist.

Was für ein Arbeitsplatz! Ich hatte also wirklich mehr als einen Grund das Bottling die Tage zu genießen.
Da ich immer mal wieder im Restaurant vorbei gekommen bin, um mir Kaffee zu machen, waren sie dort up to date, welchen Film ich gerade sehe.

Nach 5 Episoden von StarWars war es dann doch ganz gut, mal wieder einen Tag im Cellar Door zu verbringen. Ich hatte schon begonnen, die StarWars Melodie ständig vor mich hin zu summen..
Was Scott, unseren anderen Cellar Door einen Tag später sehr erheitert hat.

Hin und wieder erlebt man selbst bei so einer unspektakulären Arbeit eine Überraschung, wie links auf dem Bild zu sehen ist.

Wie auch immer, heute lege ich nochmal einen Tag Bottling ein, denn wir haben noch 2 Paletten umzupacken, wahrscheinlich werde ich die Tage nochmal 3h vor der Cellar Door Arbeit, die letzte Palette umpacken. Spart Benzin.



So das wars vorerst aus der Arbeitswelt.

Beste Grüße
Julia aka The Master of Botteling ;)

Montag, 23. Januar 2012

One day in pictures - Ein Tag schön wie eine Woche Urlaub

Gestern habe ich einen wunderschönen Mädelstag mit Anika verbracht. Geplant war eigentlich nach dem Frühstück ein Weintasting zu machen und dann Nachmittags Kanu zu fahren. Gekommen ist es ganz anders. Um 10 Uhr saßen wir in unserer kleinen und schnuckligen Lieblingsbäckerei in Margaret River. Die Zeit verflog zwischen leckeren Croissants, Tee und Kaffee.
Nach einer gemütlichen Fahrt raus aus
Margaret River, kamen wir in der Winery Stella Bella an. Die Winery hat mir John (einer unserer anderen Cellar Door in Clairault) empfohlen und Anika wollte ebenfalls dort probieren, da die Winery ebenfalls im Lonely Planet zu finden ist.


In Stella Bella gibt es drei verschiedene Label (http://www.stellabella.com.au/)

Suckfizzle: Diese Weine sind qualitativ die besten und überdurchschnittlich gut. Quasi die Flaggschiffe der Winery.
Stella Bella: Qualitativ hochwertig, von verschiedenen guten Blocks der Gegend.
Skuttlebutt: Trauben verschiedenster Winzer aus der Gegend rund um Margaret River. 

Diese Weinmarke soll eher die jüngeren Generationen ansprechen und ist deutlich günstiger als die ersten beiden.

Wir haben recht lange in dem kleinen Häuschen verbracht und uns mit der netten Dame über alles mögliche Unterhalten. Als eine große Tourgruppe eintraf, verabschiedeten wir uns von ihr. Mit zwei Flaschen Wein ging es zurück Richtung Margaret River. Wir fuhren nicht weit. Anika hatte auf dem Hinweg ein Schild mit Coffeetasting entdeckt.



Wir landeten in einem total netten Cafe
(http://www.yahava.com.au),
mit eigener Röstmaschine und einer riesen Auswahl an Kaffee und Merchandise. Wir besitzen nun die gleiche Tasse mit dem Schriftzug: Give me koffee and no-one get hurts (ka warum sie coffee mit k schreiben)
Oder irgendwie so. Jetzt muss ich mir im Hostel keine Gedanken mehr machen wo ich eine große und saubere Tasse her bekomme.

Nach einer weiteren Stunde ging es weiter zu Clairault.
(http://www.clairaultwines.com.au/) Ich wollte Anika gern meinen Arbeitsplatz live zeigen und sie sollte unbedingt ein paar unserer Weine testen. In Clairault verweilten wir nicht all zu lange. Es gab ein kleines und, im Vergleich zum ersten Winetasting und Coffeetasting, kurzes tasting.

Nach Clairault ging es zum Moses Rock. Wir brauchten ein bisschen frische Luft und so einen schönen Strand durfte sich Anika hier nicht entgehen lassen. So kam es das mein braves Auto ein weiteres mal über die Gravelroad hinunter Richtung Strand zuckelte. Wirklich lange waren wir dort nicht.

 Die sengende Hitze und der
Wassermangel hat uns weiter nach
Hay Shed Hill 
(http://www.hayshedhill.com.au/) getrieben. Dort gab es ein ziemlich spätes lunch (15 Uhr). Neben Sourbread, Olivenöl und Dukkah, gab es superleckere Pizza und einen grandiosen Ausblick auf die Weinhügelchen.





In Margaret River wurde noch Hackfleisch und Spaghetti bei coles fürs Abendessen gekauft und im Hostel Bikini und Strandtuch geschnappt. Anika ist Joggen gegangen und ich habe eine Stunde Yoga am Strand gemacht. Zum Abendessen gabs Spaghetti Bolognese und ein paar Runden Uno mit den Taiwanesischen Girls.

What a day!



Donnerstag, 19. Januar 2012

Clairault - gimme more




Die dritte Woche bei Clairault, endet für mich morgen.
Mein Fazit:
Ich bin ein echter Glückspilz!

Mein Arbeitsplatz ist auf einem wunderschön gelegen Weingut. Ich arbeite dort als Weinverkäuferin (im Cellar Door sales) in einem schön eingerichteten Gebäude und genieße jede Stunde Arbeit. Am liebsten würde ich dort täglich arbeiten.
Neben einem atemberaubenden Ausblick auf die rund herum liegenden Weinfelder, gibt es noch ein empfehlenswertes Gourmetrestaurant. Seit ein paar Tagen verkaufen wir neben einigen anderen Büchern, auch einen Margaret River Gourmetführer (Ich nenn das Buch jetzt einfach mal so, denn ich habe überhaupt keine Ahnung wie der Titel heißt), in dem unser Koch zu finden ist. Klasse oder?



Meine Aufgaben dort sind in erster Linie die „tastings“. Das heißt, wenn Besucher kommen, die unsere Weine probieren wollen, bespaße ich sie mehr oder weniger mit Wissen (es wird von Tag zu Tag mehr). Mir fällt auf das man am besten die Weine verkauft, die einem selbst am besten schmecken. So bin ich zu unserem Cape Pink und Petit Verdo seller geworden.



 Die meisten Leute kaufen 1-4 Flaschen Wein, nur ein oder zweimal am Tag verkaufen wir eine ganze Kiste. Ich vermute das die meisten von Weingut zu Weingut pilgern und überall ein bisschen was kaufen. Neben dem tasting bin ich die meiste Zeit damit beschäftigt unsere Riedelgläser aus der Spülmaschine zu holen und zu polieren. Bisher ist mir noch keines Zerbrochen. Toi toi toi ;)


Wenn mal keine Gäste für mich in Sicht sind, fülle ich die Weinregale und Kühlschränke auf und checke die Mitbringsel Regale. Zu tun gibt es immer irgendwas und mir ist das ganz recht. So geht der Tag schnell vorbei.
Falls es mal wirklich gar nichts zu tun gibt, schnapp ich mir meine Notizen und studiere die Weine.


Ein netter Nebeneffekt ist. Die Rotweine die
Abends weniger als die hälfte Inhalt aufweisen, 
kann ich mitnehmen. Die letzte Flasche war $60  wer. Das ist doch mal was. :D

Ich bin gespannt was sich aus dieser Arbeit noch entwickeln wird. Derzeit arbeite ich mich durch eines der besten australischen Bücher über Weine. "a good nose & great legs - the art of wine, from the vine to the table" von Robert Geddes.



Wenn ich das durch habe und mich das ganze
immer noch interessiert, werde ich evtl über eine Ausbildung oder ein Studium in die Richtung nachdenken. Nun bevor es soweit ist habe ich 303 Englische Seiten vor mir. Ich werde ich wissen lassen wie das ausgeht.